Gottlieb Wilhelm Rabener

„Zween vorzügliche Schriftsteller“ – Rabener und Gellert

Gottlieb Wilhelm Rabener (1714 – 1771) – ein großer Satiriker seiner Zeit
„Deutschland hat vor kurzem zween seiner vorzüglichsten Schriftsteller verloren. Gellert und Rabener.“, schrieb 1772 Christian Felix Weiße über seine beiden ehemaligen Freunde. Während man immerhin Gellert ob seiner Fabeln und Oden nicht ganz vergessen hat, wird es bei Rabener schon schwieriger mit der Einordnung.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts tummelte sich in Leipzig besonders viel literarische Prominenz. Neben Klopstock, Gottsched und Lessing sind darunter auch Christian Fürchtegott Gellert und eben Gottlieb Wilhelm Rabener zu nennen. Rabener war ein brillanter Satiriker, hochberühmt und in viele Sprachen übersetzt. Dabei war der am 17.09.1714 auf dem Rittergut Wachau bei Leipzig geborene Sohn einer angesehenen Familie, zeitlebens in eher humorloser Funktion eines Steuerbeamten tätig. Aber gerade hier heraus bezog er seine Inspiration für seine scharfzüngigen Schriften. So schrieb er einmal an seinen Leipziger Freund Christian Felix Weiße: „Alle meine Satiren habe ich …während solcher Geschäfte gemacht, wo ich mit den Antipoden des Witzes zu thun hatte.“ Rabener studierte von 1728 bis 1734 die Fürstenschule Sankt Afra in Meißen, wo er Gellert kennen und schätzen lernte. Er kehrte nach Leipzig zurück und nahm ein Jurastudium auf. Ab 1737 war er als Steuerbeamter in unterschiedlichen Stellungen beschäftigt. Bereits in dieser Zeit hat er seine ersten Schriften veröffentlicht. 1741 steuert er Beiträge für die Zeitschrift „Belustigungen des Verstandes und des Witzes“ bei. Es folgte Prosasatire in mehreren Romanen, Gedichten und Sprichwörtern („Menschenfeinde sind Leute, welche die Wahrheit sagen“). Sogar an einem Lustspiel mit dem Titel „Der Freigeist“ hat er gearbeitet. 1753 wechselt er als erster Steuersekretär nach Dresden, wo er 1763 zum Steuerrat ernannt wird. Trotz oder gerade wegen seines beschwerlichen Amtes schrieb er immer wieder satirische Beiträge, die er aber mit Rücksicht auf seine Stellung nicht veröffentlichen konnte bzw. wollte. Dies behielt er sich für nach dem Tode vor. Dafür legte er seine spitzesten und provokantesten Texte systematisch bei Seite.
Eine besondere Freundschaft pflegte Rabener mit Gellert, dem bekanntesten Vertreter der Aufklärung. Beide verband viel gemeinsames, zum Schluss hin aber mehr trennendes. Sie wohnten beide in Leipzig, besuchten die Fürstenschule Meißen und waren beide moralische Instanzen in der öffentlichen Wahrnehmung. Sie verband gegenseitiger Respekt und ein veritabler Briefwechsel. Ihr gemeinsamer Freund Weiße gab das Verhältnis so wieder: „Rabener wurde von Gellert als Freund geliebt, als Schriftsteller hoch geschätzt, als ein äußerst brauchbarer Mann bewundert… Gellert kam immer mit einem entwölkten, lächelndem Gesichte von ihm.“ Mit zunehmendem Alter wurde Gellert jedoch immer frommer und stellte die christliche Lebensweise als eine Haupttugend heraus. Wogegen Rabener den Glauben immer mehr verlor. Schlüsselerlebnis dafür war die Bombardierung Dresdens 1760, bei der Rabeners Haus schwer getroffen wurde. Zu seinem Verdruss wurden dabei alle Manuskripte „ die nach meinem Tode sollten gedruckt werden, zum kräftigen Troste der Narren künftiger Zeit, alle alle mit verbrannt.“ Zwei Jahre nach Gellerts Tod starb Rabener 1771 geschwächt durch zwei Schlaganfälle in Dresden. Die heutige Bedeutung Rabeners und Gellerts sagte er in einem Brief an Gellert noch zu Lebzeiten voraus: “Es werden Tage kommen, wo wir beyde vergessen sind, und in denen wir höchstens noch genannt werden, weil wir gelebt haben.“ Wenn  über Gellert gesprochen wird, dann darf man Gottlieb Wilhelm Rabener als langjährigen Freund und Wegbegleiter nicht vergessen. In Dresden trägt heute die Straße seinen Namen, in dem die Finanzämter ihren Sitz haben.
Beitrag Rabener LVZ 29.09.2014